Samstag, 13. Dezember 2008

Nachtrag zu den Ereignissen des bereits fortgeschrittenen Semesters:
Das Wintersemester begann für das erste und zweite Jahr mit HORST. Das ist kein Computerprogramm sondern ein fast ebenso informationsreicher wie unberechenbarer Dozent, der uns eine Ahnung davon gibt, was man über die Geschichte der Dramaturgie so alles wissen kann. Dieses Jahr führte der Ausflug nicht nur von Griechenland über das elizabethanische England bis zum modernen Europa, diesmal ging es auch ins entfernte Asien wo Bunraku und andere exotische Theaterformen auf uns warteten. Neben dieser Sintflut von Information bewältigten wir ein sozialkritisches Stück in dem Jugendliche ein Kind ermorden. Trotz des glücklichen Umstandes, dass Katharina uns mit Rat und Tat bei Figurenbau und Probe zur Seite stand (ohne ihre Vorarbeit hätte uns vor allem die schönste Figur des Stückes gefehlt) kamen wir nicht umhin Sonderschichten zu schieben. Dafür war die Aufführung erfolgreich, und da sich so ein Aufwand für nur einen Abend kaum lohnt, gab es inzwischen auch eine zweite Aufführung des Stücks. Wir werden sehen, ob wir nicht noch mehr Menschen eine Gänsehaut verschaffen können, vielleicht können wir auf einem Festival damit spielen.
Nach Horst gab es für das erste Jahr eine Werkstatteinführung (endlich wurde die eingestaubte Drechselbank wieder ordentlich benutzt) und für das zweite Jahr eine Einführung in den Clown. Das berühmte Krankheitsmonster das nach den HORST-Projekten umgeht, schlug jedoch wieder zu und wir konnten nur teilweise vollzählig die Tage als Clown verbringen. Da Lachen ja aber bekanntlich gesund macht, konnten wir hinterher frisch gestärkt und neuen Mutes mit Michael Mordo in den Kampf gegen Modelliermasse, Unebenheiten und technische Zeichnungen ziehen. Unsere Marionette sind nun soweit, aufgeknüpft zu werden. Erste Überlegungen, was die Bekleidung angeht, wurden auch angestellt und so harren die Figuren darauf, im neuen Jahr vollendet und endlich zum Leben erweckt zu werden.
Das erste Jahr präsentierte uns am Ende ihres derweil stattfindenden Schauspielkurses eine wunderbare halbe Stunde, vollgepackt mit schönen Orten, an die wir uns mit ihnen träumten. Ein Picknick gab es danach auch, die karierte Decke einschließlich Brezeln bildete eine gemütliche Abrundung nach Jodellied und Skifahrt.
Gemeinsam starteten wir nun mit Manfred Jahnke, der uns noch mehr Fakten, Fakten, Fakten mitgab, damit wir auf unserer künstlerischen Reise nicht nur wissen, was wir wollen, sondern auch woher wir kommen. Damit das ganze nicht eine Schiffsfahrt ohne Meer bleibt, werden wir in der kommenden Woche versuchen konkrete Vorschläge zu machen, wie wir uns die Umsetzung von (von uns ausgesuchten) Texten vorstellen. Die Diskussionen darüber werden hoffentlich entschlüsseln, was es ist, dass eine Vorstellung spannend macht, was diese vielgepriesenen und doch geheimnisvollen Vorgänge sind, die in einer guten Geschichte stecken und welche Arten es gibt, sich einem Text zu nähern. Oder auch einem Material. Eine Umsetzung des so Entwickelten wird es vorerst nicht geben. Aber wer weiß, vielleicht retten sich die so entstandenen kleinen Konzepte ja ins neue Jahr hinüber und wachsen dort zu großen "echten" Projekten an.
Frohe Weihnachten und einen guten Start in neue Jahr!